Anfänge

Drei meiner Kinder fangen gerade etwas Neues an. Eins ist gerade ausgezogen und hat es noch schwer mit dem Start ins Erwachsenenleben, zwei fangen hier in Dänemark an zu studieren und schwimmen zwischen Aufregung, Vorfreude, Zweifeln, sprachlichen Herausforderungen…

Ich merke, wie unterschiedlich sie damit umgehen und auch wie verschieden das ist, was sie gerade brauchen, und auf der Hunderunde musste ich deshalb an meine eigenen Anfänge denken. Davon gab es einige. Manche erfolgreicher als andere. Ich habe zum Beispiel zweimal ein Referendariat angefangen und kein einziges beendet.

Und dann fiel mir auf, dass es ziemlich genau zehn Jahre her ist, dass ich meine Ausbildung zur Integrativen Lerntherapeutin angefangen habe.

Im Spätsommer 2016 war ich noch als Förderlehrerin in der Schule tätig und ziemlich unzufrieden damit, was ich dort für die Kinder tun konnte – oder eher nicht tun konnte. Fördergruppen mit zwei Stunden in der Woche. Jungs, denen ihr Schulabschluss völlig egal war. Grundschulkinder, die eigentlich vor allem mehr Zeit und mehr individuelles Lernen gebraucht hätten.

Die Ausbildung beim Kreisel in Hamburg schien mir ein ziemlich perfekter Ausweg zu sein.

Also habe ich angefangen. Und ich habe so viel mehr gelernt als im Studium oder im Referendariat – vielleicht auch, weil ich einfach mehr Erfahrung hatte. Es war einfach toll, Gleichgesinnte zu treffen. Die Themen waren spannend, die Übungen lehrreich.

Keine Ahnung, wie das damals ging – neben der Arbeit und mit vier Kindern zu Hause. Die waren damals 15, 13 und zweimal 9. Die Ausbildung dauerte berufsbegleitend drei Jahre und irgendwann mittendrin, Anfang 2018, habe ich mich getraut, meine eigene Praxis aufzubauen. Noch parallel zur Schule und zur Ausbildung.

Wenn ich das heute so aufschreibe, klingt das wesentlich planvoller, als es damals wirklich war.

Seitdem hat sich soooo viel verändert. Diverse Praxisräume, Corona, das für so vieles einschneidend war, ein Umzug in ein anderes Land, die Kinder sind inzwischen erwachsen.

Nach dem Umzug wollte ich eigentlich beruflich noch einmal etwas ganz Neues ausprobieren. Ich habe Dänisch gelernt, die Studieprøve gemacht, mit der læreruddannelse angefangen und das Deutsch Lehren Lernen-Zertifikat beim Goethe-Institut gemacht. Vieles davon einfach aus Spaß und Interesse – und dann stellte sich heraus, dass ein Teil davon sogar für die FiL-Rezertifizierung relevant war.

Die Lerntherapie hat mich nämlich nie ganz losgelassen. Ein bisschen online ging immer noch nebenher. Schließlich wachsen einem die Familien und die Kinder ans Herz.

Und ich habe sie vermisst.

Jetzt, zehn Jahre nach diesem Anfang, stelle ich auf einmal fest, dass ausgerechnet die Lerntherapie die Konstante in meinem Leben geworden ist. Durch verschiedene Praxen, zwei Länder und diverse Ideen, was ich sonst noch so machen könnte. (Okay, neben meinem Mann 😅)

Also ist es vielleicht doch sowas wie eine Berufung?

Das klingt ein bisschen pathetisch. Aber es ist auf jeden Fall das, was ich kann. Und etwas, das ich immer noch richtig gerne mache.

Das konnte ich 2016 noch nicht wissen.

Und während meine drei Kinder gerade am Anfang von etwas Neuem stehen, würde ich ihnen am liebsten einfach nur mitgeben: Erst einmal anfangen und nicht ans Ende oder die Zukunft denken. Meistens weiß man am Anfang nicht, ob alles gut wird oder ob die Entscheidung richtig ist.

Anfänge sind nichts weiter als Anfänge.

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